Westreisekader

                                             Leben ist langweilig, ich mache Erfahrungen                                                                            nur noch, wenn ich schreibe.                                                                                                                                                                                                                                                             Max Frisch

Das Fiasko mit der Belgrader Außenstelle hatte auch seine gute Seite. Es gab plötzlich beim Frankreichexport Stunk an der Seine, und zwar im wörtlichen Sinn. (Ich sollte mein Leben in Flüssen erzählen. Die wirklich guten Ideen hat immer schon jemand gehabt. Sophokles transportiert eine heikle Familiensaga über den Inzest als Vehikel, Fellini hat schlankweg alles erfunden, um es erzählen zu können: eine Kindheit, Persönlichkeiten, Träume, Erinnerungen. Nun soll das mit den Flüssen als Lebensfäden auch schon gewesen sein! Rose Ausländer benennt sie als Adern in einem Dichterinnenleben: Pruth, Donau, Mississippi, Jordan).

In einem Kopierwerk bei Paris, das von ORWO mit Schwarzweiß-Positivfilm für die Massenkopien einer französischen Wochenschau beliefert wurde, trat beim Auspacken des Rohfilms im Dunkelraum ein stechender Geruch auf; einigen Arbeiterinnen, hieß es in der Reklamation, sei davon schlecht geworden. Der Verkauf des Positivmaterials brachte trotz des üblichen Preisdumpings eine erhebliche Menge des Giftzeugs frei konvertierbare Valuta ein. Somit stand Giftzeugs gegen Giftzeugs – die unverzichtbare Westknete gegen gesundheitsschädliche Dämpfe. Die vom Kopierwerk CTM reklamierte Geruchsbelästigung war vermutlich auf einen zu hohen Restgehalts an Lösungsmittel in der Filmunterlage zurückzuführen. Ein Mitarbeiter des Kundendienstes sollte unsere erste Ferndiagnose vor Ort zu überprüfen, und zwar umgehend.

Als Mitstreiter bei dem Versuch, die Wogen zu glätten, wurde von der Vertreterfirma Orwo France ein Vertreter des Kundendienstes angefordert, der französisch sprach. Es sollte, da kein anderer bestätigter Reisekader für das kapitalistische Ausland zur Verfügung stand, jener Techniker geschickt werden, der kurz darauf – sprachlos aus Überzeugung, aber Parteimitglied und ohne Westverwandtschaft – die Außenstelle in Belgrad übernahm. Doch die französische ORWO-Vertreterfirma lehnte ihn ab.

So schlug mit der Beanstandung des stechenden Geruchs aus eben geöffneten Büchsen von Wochenschaurohfilm die Stunde jenes parteilosen Filmtechnikers, den wir schon kennen. Als einziger unter den Reisekadern des Kundendienstes erfüllte er die von Orwo France gestellte Bedingung: er sprach französisch. Daß der betreffende Kollege  bisher nur im sozialistischen Wirtschaftsgebiet eingesetzt worden war,  spielte auf einmal keine Rolle mehr. Hatte er doch nicht nur – schlimm genug! – Westverwandtschaft (was in diesem Falle nicht störte, da das Geschäft auf keinen Fall platzen durfte), sondern auch das Westabitur. Und zwar von einem Gymnasium neusprachlichen Zweiges, mit Englisch als erster und Französisch als zweiter Fremdsprache.

Da jene Demokratische Republik, die zwar Privatreisen ihrer Bürger ins westliche Ausland einschließlich der westdeutschen Bundesrepublik weitgehend unmöglich machte, andererseits aber ständig Filmtechniker und andere Geschäftsreisende nach Paris (und anderswohin) entsandte, mit der Französischen Republik keine diplomatischen Beziehungen unterhielt und da überdies ihr blauer Paß von den Franzosen wie von allen anderen NATO-Mitgliedern nicht als Reisedokument akzeptiert wurde, brauchte der Reisende, um sich das französische Visum beim Konsulat am Kudamm holen zu können, den von einer immer wieder böse als Sumpfblüte des Kalten Krieges beschimpften Behörde (offiziell hieß sie Allied Travel Board) ausgestellten Ersatzpaß: Vorläufiger Reiseausweis anstelle eines Passes für deutsche Staatsangehörige.

Dieses olivgrüne Dokument (unter Reisekadern liebevoll der Travel genannt) und die es ausstellende Behörde der westlichen Besatzungsmächte waren, wie bei den angeführten wiederholten bösen Beschimpfungen stets betont wurde, Relikte der Nachkriegszeit, als es noch keine deutsche Paßhoheit gab. Mittlerweile gab es davon zwei. So wies der nach Paris fliegende Filmtechniker bei der Ausreise am Flughafen Schönefeld seinen blauen Paß mit dem Ausreisevisum des Entsenderstaates, bei der Einreise nach der Landung in Paris-Le Bourget hingegen den grünen Travel mit dem Einreisevisum des Ziellandes vor. Zwei Pässe wohnten, ach, in seiner Brusttasche.

Plitzplatz ward ich zum Westreisekader geschlagen und ins Alliierte Reiseamt am Kleistpark in Berlin-West expediert. Ohne das Alliierte Reiseamt lief keine Reise ins Nato-Ausland. Die Mauer stand inzwischen sechs Jahre. Man hat sie in Ost und West unterschiedlich interpretiert, hie Antifaschistischer Schutzwall oder gar Friedensbollwerk und dort Schandmauer geheißen, es kam aber darauf an, sie persönlich durchlässig zu machen. Für mich war das nun absehbar geworden. Und tatsächlich – diese erste Parisreise blieb nicht meine letzte.

Mit diebischem Stolz hat R. von einem Besuch in seinem Elternhaus am Rand des Grunewalds anläßlich der Abholung des Vorläufigen Reiseausweises beim Allied Travel Board erzählt. Vermutlich erst nach Erhalt des grünen Ersatzausweises, die Zeit des Besuchs beim Allied Travel Board war zu vielen bekannt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Es hieß geschickt vorzugehen. Direkt zu fragen, wie denn das mit Travel und Visaabholen in West-Berlin so vonstatten gehe, war nicht ratsam. Zu viele wußten, daß er von dort stammte. Doch hatten Kollegen, die sich in der Westreiserei auskannten, übereinstimmend berichtetet, im Regelfall werde man mit zwei oder drei anderen in einen Wartburg gesteckt und der Fahrer klappere dann mit der ganzen Gruppe die Strecke ab: Travel Board, englisches, französisches, portugiesisches Konsulat, was gerade so anliege. Seien aber mehr Leute zu versorgen als ins Auto paßten, bekäme man vom Fahrer Kleingeld in die Hand gedrückt mit dem Hinweis: Nimm im Westen die Öffentlichen.

Das war eine echte Chance, und R. nutzte sie. Er erschien spät am Treffpunkt unweit des Alexanderplatzes, sah, daß das Auto schon voll war und bekam prompt das abgezählte Fahrgeld in West nackt auf die Kralle. Aus der U-Bahn, die ihn nach dem Besuch am Kleistpark, mit dem Travel in der Tasche, zum französischen Generalkonsulat an der Station Uhlandstraße bringen sollte, sprang er ab, sobald sich der Zug am Wittenbergplatz in Bewegung gesetzt hatte. Zufrieden stellte er fest, daß niemand anderes den fahrenden Zug verließ – ein von Film und Fernsehen bekannter, höchst wirksamer Test. Beruhigt nahm er daraufhin den Zug in Richtung Krumme Lanke, ging vom U-Bahnhof Onkel Toms Hütte die knapp zehn Minuten zu seinem Elternhaus, in dem seinerzeit Werner und Gila zur Miete wohnten, und klingelte. Die Trümmer auf der anderen Straßenseite waren verschwunden, dort stand wieder bunt und ganz eine Häuserfront.

Nach freudiger Begrüßung Herumschnüffeln in allen Etagen und eine Tasse Tee auf der Veranda. Wiedersehen mit dem Garten, den Kiefern, den Obstbäumen, auf die ich als Junge geklettert war. Darauf bot Werner mir eine Stadtrundfahrt an, was ich denn so sehen wolle. Im seinem gelben VW-Käfer ging es zu meiner alten Penne am S-Bahnhof Wannsee, von dort zum Grunewaldturm und anschließend über die Ost-West-Achse zum Potsdamer Platz: ein Blick auf die Mauer von der anderen Seite stand ganz oben auf meiner Wunschliste. Dies erledigt, ließ ich mich am Kudamm absetzen, schlenderte zum Maison de France und holte mein Visum.

Dokumente sind hartnäckig. Es mag inzwischen vergilbt und angeknittert sein, das Wesentliche aber ist in dem Telex aus Paris erkennbar geblieben. Es nennt mehrere Chargennummern; erwähnt, in dem betreffenden Filmlabor seien ERNEUT FAELLE VON UEBELKEIT INFOLGE STECHENDEN FILMGERUCHS AUFGETRETEN. Und schließt mit R.s Bitte um Zahlenmaterial, nämlich die Meßwerte für jenen ominösen Restlösungsmittelgehalt bei Freigabe der Produkte durch die Qualitätskontrolle in der Fabrik.

Lagen die fernschriftlich übermittelten Werte im zulässigen Bereich, lagen sie darüber? Die vor Reiseantritt durch die Werkshierarchie abgesegnete Direktive des Reisenden sah bei einer Überschreitung der Sollwerte die Anerkennung der Reklamation durch diesen selbst vor. Das hätte bedeutet: Ersatz in gleicher Art und Menge. Eine Materialrücknahme für den Fall zwar hoher, aber noch immer typgerechter Werte lag nicht in seiner Kompetenz. Und doch lief die Sache, um den Kunden zur weiteren Abnahme des Materials zu ermutigen, schließlich darauf hinaus. Diese Kulanzregelung hatten andere zu verantworten: der Reisebericht gibt keine Auskunft darüber, wie es dazu kam. Der Bericht verschweigt allerdings auch anderes: beispielsweise den Verlauf des entscheidenden Besuchs im Kopierwerk CTM in Joinville.

Herr Cossevin von der Orwo France brachte eine Bonbonniere mit – nicht allzu erlesen, wie er süffisant kommentierte, doch beeindruckend genug für die Kopierwerksdamen. Sein Charmevorstoß löste das Eis. Ich Reisender aus dem Deutschland des Ostens hatte mir, während Ausbüchsen, Austüten und Transport der Filmrollen aus dem Vorbereitungsraum an die Kopiermaschinen demonstriert wurden, so manches anzuhören: daß sie allesamt gute Kommunistinnen seien; daß man hier in der banlieue rouge, dem roten Gürtel um Paris, nicht erwartet hätte, aus einem sozialistischen Land Giftgas in Dosen geliefert zu bekommen, von dem die Genossinnen aus den Latschen kippen. Aber nichts für ungut – es sei anzuerkennen, daß sich nun endlich jemand drum kümmere, mit dem man sprechen könne. Merci, camarade!

Auch heute noch findet jedes Jahr im Mai in Paris an der Porte de Versailles die Foire de Paris statt. R. war dreimal für ORWO zum Standdienst auf dieser Messe. So auch 1968; auf diese Weise hat er die Ereignisse jenes Mai ganz aus der Nähe erlebt. Am Stand war wenig zu tun, Besucher kamen kaum. Der Generalstreik brachte den öffentlichen Nahverkehr zum Erliegen. Das Auto als Ersatz fiel aus; Benzin gab es nur zu Schwarzmarktpreisen. Von den Umständen begünstigt, konnte er nachts in der Sorbonne oder im Odéon den Diskussionen der studentischen Besetzer zuhören und sich tagsüber in der Filmvorführkabine am Messestand ausschlafen. Offiziell war der Besuch politisch brisanter Gebiete von der Messestandsleitung verboten worden.

Man errät unschwer die Begründung für das Sorbonneverbot: Es geht um Fragen eurer persönlichen Sicherheit. Wir möchten nicht, daß euch in der Sorbonne etwas passiert. Oder auf einer dieser ruckzuck aus dem Straßenpflaster wachsenden Barrikaden. Bei den Franzosen weiß man ja nie. Und dann noch Studenten! Wir sind hier, um unsere Arbeit zu tun und sonst nichts. Ende der leitungsseitig gegebenen Anweisung. Wurde ich wirklich einmal tagsüber am Messestand gebraucht, kam Hans mich wecken.

Hans war ein verläßlicher Freund vom Kamerawerk Pentacon Dresden. Er wußte als einziger von meinen nächtlichen Ausflügen ins Ereignisgebiet. Im Sorbonnehof war ich die Jahre zuvor schon gewesen, drei-, viermal, oder war es öfter, was tat das, ich kannte nichts weiter als die äußere Szenerie. Erinnerte mich vage an die Kirchenfassade, aber schon die Denkmäler von Pasteur und Hugo in der Hofmitte riefen Zweifel an jenem Erinnern wach, trugen sie doch Fahnenstangen im Arm, an der einen flatterte schwarzes, an der anderen rotes Tuch, rotes ausgerechnet an der, die Victor Hugo hielt, der die Commune in Grund und Boden verdammt hatte. Auch rote Halstücher trugen die beiden. Hallo, Louis, hallo, Victor! Seid bereit, hätte ich rufen mögen.

Paris, 22. Mai 68. Die Zeit vergeht, die Abfallkübel laufen über. Man diskutiert im Ex-Odéon-Théatre-de-France, ob die Probleme der Dritten Welt Frankreich etwas angehen und umgekehrt. Und ob Gott existiert. Die Brücken über die Seine sind mit Polizeibussen besetzt. Am Abend beschließen die Generalstände der Filmleute in der Rue de Vaugirard, künftig die Filmzensurbehörde C.N.C. zu boykottieren.

Die meisten Kopierwerke streiken schon seit ein paar Tagen; ich kann nicht einmal Kundenbesuche machen. Auf der Messe gibt es noch immer kaum Besucher, ich kann mich tagsüber auf dem Stand ausschlafen und bin nachts in der Sorbonne und ihrer Umgebung. Dort erlebte ich Ungeahntes.

Einzelne Demonstranten hasteten mir entgegen. Hier kommst du nicht durch, rief einer, die Bullen rücken vor. Ein junger Mann blutete am Kopf. Da tauchte plötzlich eine ganze Gruppe auf, alle in Lederjacken. Den Kiosk dort und dann noch das Schild da, wurde aus ihrer Mitte gerufen. Ich spürte auf einmal in Hals und Nase stechende Kälte sich breitmachen und erinnerte mich: Tränengas. Eine junge Frau neben mir zerriß ein Stück Fahnentuch und gab, nachdem sie einen langen flatternden Fetzen für sich genommen hatte, mir und meinem Nebenmann ein ähnliches Stoffstück. Ihr müßt sehen, daß ihr es irgendwo anfeuchtet, schrie sie. Irgendwo, das war gut gesagt Wir banden uns die Fetzen vor die Gesichter, da ging neben mir eine Tür auf, und ein Eimer Wasser wurde herausgestellt. Wachte ich, träumte ich, ich riß das Tuch noch einmal ab und tauchte es ein. Der Kiosk, jetzt etwa zehn Meter von mir entfernt, wurde gewippt, bis er umkippte. Glas zerklirrte. Ein paar Lederjackenmänner wuchteten das Gestell bis in die Mitte der Fahrbahn, darauf bildeten sie eine Kette. Von Hand zu Hand wurden Pflastersteine weitergereicht, woher kamen sie? Faßt hier mit an!, rief jemand. Eine mit armstarken Latten hintersetzte Plakatwand schob sich zwischen mich und den jungen Mann neben mir. Da flammte es plötzlich hinter dem Kiosk auf. Ich sah das Heck eines Autos. Die Räder, in die Luft gestreckt, drehten sich noch.

25. Mai 68. Nach den Straßenschlachten der letzten Tage herrscht heute im Quartier Latin eine Art Gleichgewichtsruhe. Man sieht Reste der Barrikaden. Ein Ordnungsdienst der Studenten mit rotschwarzen Armbinden. In den Hörsaal platzt nach Mitternacht ein Provokateur: Was quatscht ihr hier rum, draußen ist die Scheiße los!

Die Anwesenden zeigen sich unbeeindruckt, die Diskussion geht weiter. Trotzki Bakunin die bürokratische Erstarrung der Linken. Ihr ruft immer nach einer Ideologie, sagt einer. Seht ihr nicht, daß wir auf dem besten Wege sind, sie uns hier zu schaffen.

Ehe die Revolution in den Dingen stattfindet, muß sie im Menschen geschehen. Befreit Euch von der Sorbonne. Gib auf deine Ohren acht, sie haben Mauern. Ich genieße, also bin ich. Die Sorbonne wird zum Stalingrad der Sorbonne. Ich habe nichts zu sagen. Der Mandarin ist in dir. Nehmt nicht den Fahrstuhl, nehmt die Macht. Erfindet neue Sexualperversionen! Leichte Löhne, schwere Panzer. Wir haben eine steinzeitliche Linke. Übertreiben heißt mit dem Erfinden anfangen. Ich schreibe nicht gern auf Mauern. Ins Museum mit De Gaulle! Vergeßt, was ihr gelernt habt, und fangt zu träumen an. Die Phantasie an die Macht. Abschaffung der Entfremdung. Abschaffung der Klassengesellschaft. Ende der Universität. Verbreitet diese Losungen sofort und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: durch Flugblätter und Mauerinschriften. Über Mikrofone und Tafeln in den Hörsälen. Durch Sprechchöre in Kinos während der Vorführung oder bei dem Versuch, die Vorführung zu unterbrechen. Durch lautstarke Proklamation, sooft ihr in der Kneipe das Glas hebt. Vor dem Sex. Nach dem Sex. In Fahrstühlen – falls sie noch funktionieren.

Mit der Zeit hatte R. einen stattlichen Stoß Flugblätter – er sammelte Zettel und Extrablätter, bekam auch reichlich Material von Leuten am Stand. De Gaulle kündigte am 30. Mai in einer Fernsehrede der Bewegung den Kampf an und ließ um Paris Panzer „zum Manöver“ auffahren. Das bedeutet Bürgerkrieg, sagten die einen. Kein Blutvergießen! riefen die anderen.

Als die Armee Benzin an die Tankstellen geschafft hatte, gab es viele Tote bei Unfällen im erneuerten Verkehrschaos. Man konnte an die Heimreise denken: bis Brüssel per Bus, Frankreichs Flughäfen wurden noch bestreikt.

R. wollte seine Flugblätter nicht zurücklassen; doch beim Zoll in Schönefeld hätten sie keine Gnade gefunden. Da verhalf ihm sein Job zu einer Idee. Er packte seine Sammlung, schwarz eingetütet, in eine große Filmbüchse, bänderte die Büchse und schrieb mit rotem Fettstift drauf: ROHFILM! NICHT ÖFFNEN-REKLAMATIONSMUSTER. Dazu Namen Abteilung Telefonnummer. Die Büchse legte er in eine Kiste, mit der zur Gästebewirtung benötigte Kaffeetassen und Weingläser ins Werk zurückgingen. Sechs Wochen später der Anruf vom Werbelager: wann er denn endlich käme, die Büchse holen.

27. Mai 68. Pont St. Michel von Studenten besetzt aus Angst vor einsickernden Zivilbullen. Überall neue Losungen: Armez vous! Volez! Vite la Révolution! Cohn-Bendit ins Elysée! Es ist verboten, etwas zu verbieten. Méfiez-vous de tout! Der Staat ist ein Papiertiger.

R. blieben nicht nur die Flugblätter und sein Tagebuch. Er hatte Losungen an Häuser- und Straßenwänden in sich aufgenommen und fühlte sich um eine wichtige politische Erfahrung reicher. Vorher hatte er nicht gewußt, was das war – Vierte Internationale, Anarchosyndikalismus, die schwarze Fahne. Mit der Mär vom einzig richtigen Sozialismus – dem daheim – war es für ihn vorbei.

Die Pariser Mailosungen klangen in mir nach. Unwillkürlich stellte sich ein Vergleich mit der öden Parolenlandschaft daheim ein. Sollte sich das alles nie ändern? Da taten sich in der Tschechoslowakei plötzlich erstaunliche Dinge. Künftig einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu praktizieren, das Leben zu demokratisieren und die Hörigkeit zur Sowjetunion in ein Verhältnis gleichberechtigter Partner umzuwandeln – das waren einige der Ziele, für die Alexander Dubček mit seiner Riege des Prager Frühlings 1968 antrat. Es gab Hoffnung, diese Reformen würden ihre unvermeidlichen Rückwirkungen auf unser eigenes Leben haben. Im Sommerurlaub wollte ich in das Nachbarland reisen, um etwas mehr von dem mitzubekommen, was dort vor sich ging.

Ich habe R.s Vergleich der Pariser Mailosungen mit der öden Parolenlandschaft daheim nachzuvollziehen versucht, das Ergebnis ist verheerend. Meine Hand für mein Produkt. So, wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben. Erhöht die Hektarerträge zu Ehren des x-ten Parteitages. Jedermann an jedem Ort einmal in der Woche Sport. Wer mit der Sowjetunion verbündet ist, wird zu den Siegern der Geschichte gehören. Alles mit dem Volk, alles durch das Volk, alles für das Volk (Klingt mir, als hätten sie die von Abraham Lincoln gestohlen: Gettysburg Address). Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit. Unsere Antwort auf die Machenschaften der Bonner Ultras: Planschuldenfrei zum 1. Mai. Überholen ohne einzuholen. Erstürmt die Höhen der sozialistischen Kultur. Stadt und Land Hand in Hand. Der Kampf um die Lösung der ökonomischen Hauptaufgabe ist Teil des Weltfriedenskampfes. Mit erfüllten Verpflichtungen zum Tag der Bereitschaft. Entlarvt die Kriegstreiber – Senkt die Ausschußquoten. Und endlich, als Passepartout für jede Gelegenheit: Der Sozialismus siegt.

Für eine Reise in die Tschechoslowakei brauchte man eine Einladung. Eine Wolfener Kollegin gab unsere Adresse einem Freund in Prag, der schrieb uns und lud Irina und mich ein, ihn zu besuchen. Daß wir den Freund gar nicht zu sehen bekommen würden, gehörte zum Ritual; man brauchte Adresse und Brief nur für die Polizei, die ohne all das keinen Paß ausstellte. Nachdem dies geschehen, auch das vielgepriesene Reisezehrgeld, das hinten und vorne nicht reichte, auf der Bank umgetauscht und im Paß vermerkt worden war, konnten es losgehen. Nach ein paar Tagen in Prag planten wir eine Wanderung durch das Slovenský Raj – zu deutsch: Slowakisches Paradies -, einer wilden Berglandschaft mit Schluchten und Klammen südlich der Hohen Tatra. Auf der Fahrt dorthin hielt der Linienbus plötzlich an, der Motor wurde abgestellt. Die Fahrgäste drängten nach vorn, zum Radio neben der Tür, auf die Stimme aus dem Lautsprecher konzentriert. Ich fragte einen Mann, der in der Reihe vor uns sitzengeblieben war: Was ist los? Wie lange werden wir halten? – Er sah sich zu mir um, sagte: Zweitausend Worte. Legte den Zeigefinger auf seine Lippen und hörte weiter angestrengt zu. Irina und ich verstanden nur allgemeinslawische Fetzen des Textes, aber was wir verstanden, schien unglaublich.

Heute bringe ich den Text der Zweitausend Worte mühelos auf den Schirm des Computers. Deutsch ist er 2783 Wörter lang, unglaublich klingt das Manifest immer noch: Mit Hoffnung hatte die Mehrheit des Volkes das Programm des Sozialismus aufgenommen. Dessen Leitung ist indessen in die Hände der falschen Leute geraten. Die Kommunistische Partei, die nach dem Kriege in weitem Umfang das Vertrauen des Volkes genossen hatte, hat dieses Vertrauen sukzessive gegen Ämter eingetauscht, bis sie endlich alle diese Ämter bekommen hatte und nichts anderes mehr besaß. Wir müssen es so ausdrücken, und das wissen auch jene Kommunisten unter uns, die von den Ergebnissen ebenso enttäuscht sind wie die Außenstehenden. Die fehlerhafte Linie der Führung hat diese Partei aus einer politischen Partei und einem idealistischen Verband in eine Machtorganisation verwandelt, die eine gewaltige Anziehungskraft auf herrschsüchtige Egoisten ausübte, auf skrupellose Feiglinge und Leute mit schlechtem Gewissen. In diesem Frühling ist uns von neuem, wie nach dem Kriege, eine große Chance geschenkt worden. Wir haben jetzt aufs neue die Möglichkeit, unsere gemeinschaftliche Sache, die den Arbeitstitel »Sozialismus« trägt, in unsere eigenen Hände zu nehmen und ihr ein Profil zu verleihen, das besser unserem einst vortrefflichen Ruf entspräche und der einigermaßen guten Meinung, die wir ursprünglich von uns selber hatten. Dieser Frühling ist soeben zu Ende gegangen und kehrt schon nimmer wieder. Im Winter werden wir wissen, woran wir sind.

Zur Hohen Schule der Dienstreiserei gehörte es, sich selbst Reisen einzufädeln und – war die Direktive erst einmal bestätigt – die Reisevorbereitung so zu organisieren, daß irgendwelche Zweifel an der absoluten Notwendigkeit genau dieser Reise gar nicht erst aufkamen. Dem Reisekader bot sich dabei ein breites Spektrum von Möglichkeiten; einzig die ewige Knappheit an Valutareisemitteln schränkte deren Entfaltung ein. Eckpfeiler waren die Einflußnahme des Reisenden auf die Dienstreiseplanung seiner Struktureinheit und die Betonung der Wichtigkeit eines baldigen nächsten Kundenbesuchs. Dazu mußte im Bericht über eine soeben abgeschlossene Dienstreise ein dringender Hinweis auf entsprechende Formulierungen in Protokollen stehen, die unterwegs mit wichtigen Endverbrauchern oder der Vertreterfirma aufgesetzt und feierlich unterzeichnet worden waren – genau zu diesem Zweck: die Wichtigkeit eines baldigen nächsten Kundenbesuchs zu unterstreichen. Das konnte dann daheim vollmundig als Wunsch des Kunden in einer serviceorientierten Welt hingestellt werden, auch wenn der Dienstreisende selbst es gewesen war, der beim Abfassen des Protokolls nachdrücklich für die Aufnahme der Formulierung gesorgt hatte. Ein Hauptabteilungsleiter, der monatelang auf einen Waschmaschinenmonteur warten mußte und der von den Wucherungen der Schmiergeldkultur im Kraftfahrzeughandwerk frustriert war, konnte sich dieser Argumentation nicht verschließen. Er befürwortete die Reise sofort und unterschrieb die – ohnehin vom Reisenden selbst ausgearbeitete – Direktive; die Sprossenwand der Werkshierarchie bis hin zur allerhöchsten direktorialen Unterschrift erklomm sich dann schon bedeutend leichter.

Blieb als letzte Hürde der Außenhandel in Berlin; dort verwalteten sie das richtige Geld. Doch auch da fanden sich Mittel und Wege. Die Außenhändler, bei gemeinsamen Reisen auf Sprach- und Produktkenntnisse des Technikers aus der Industrie angewiesen, hatten allen Grund, diesen bei Laune zu halten. Sollten wider Erwarten all die angeführten Strategien nicht zum Ziele führen, blieb noch immer die direkte Absprache mit dem Kunden und/oder der eigenen Vertreterfirma im Zielland. Das führte häufig zu sogenannten Potzblitzreisen. Höchste Dringlichkeitsstufe mußte glaubwürdig proklamiert, damit verbunden eine aufwendige Hektik entwickelt, jeder Zweifel an der Notwendigkeit der Reise von vornherein ad absurdum geführt werden.

Wer R.s Abenteuer in Verbindung mit den im CTM Joinville aufgetretenen Fällen von Restlösungsmittelübelkeit verfolgt hat, ahnt schon: das war ein gefundenes Fressen. Der Fall schrie förmlich nach einer selbsteingefädelten Zweitreise.

Herr Cossevin von der Orwo France brachte nicht nur seinerzeit die friedenstiftende Bonbonniere mit, er bot mir auch mehrfach an: Kommen Sie nach Pari, sooft Sie wollön. Das eißt, Monsieur R.: sooft man Sie reisen läßt. Rufen Sie mich an und sagen Sie am Telefon: Les échantillons seront prêts le – und dann sagön Sie das Datuhm, wann Sie in Pari sein wollön, Monsieur R. Isch werdö nach Kräftön elfön.

Die Ankündigung von Mustern zu einem bestimmten Datum als Code für einen Reisewunsch mit verschlüsseltem Ankunftsdatum war ja fast schon eine Verschwörung. Ich habe Herrn Cossevin nur ein einziges mal darum gebeten. Das war Anfang August 68. Irina fuhr zu ihrer ersten Dienstreise – Standdienst auf einer Industrieausstellung in Nowosibirsk. Und ich – ja, ich wollte noch einmal nach Paris. Nach den Flugblättern vom Mai und den Zweitausend Worten des Prager Frühsommers waren bei mir viele Fragen offen. Unseren knapp zweijährigen Sohn Otto nahmen meine Eltern in Törnstedt zu sich; das Reisegeschehen funktionierte nur mit Geiselnahme: der Dienstreisende mußte verheiratet sein, möglichst mit Kindern.

Ich avisierte Herrn Cossevin Muster sonst nicht telefonisch, sondern per Telegramm (das schickte ich natürlich auch in diesem Fall). Als ich ihn anrief, sprachen wir von allerhand, ich erkundigte mich nach dem Befinden der CTM-Damen, teilte ihm mit, in der entsprechenden Produktionsabteilung seien Muster mit besonders geringem Gehalt an Lösungsmittel in der Unterlage bestellt, und dann: Les échantillons seront prêts le 27 août.

Monsieur Cossevin reagierte prompt auf das vereinbarte Stichwort. Er schickte ein Telegramm an den Kaufmännischen Direktor der Filmfabrik, des Inhalts, meine Anwesenheit in Paris sei in der leidigen Angelegenheit Filmgeruch abermals höchst wünschenswert; möglichst sofort bei Vorliegen entsprechender Muster mit verbesserten Eigenschaften. Drei Wochen später, pünktlich am 27. August, stieg ich, die kostbaren Filmrollen im Handgepäck und meinen blauen Paß nebst Travel in der Brusttasche, in Schönefeld ins Flugzeug.

Die Sache wurde dadurch vereinfacht, daß beide Visa vom Mai noch gültig waren, sowohl mein mehrmaliges dienstliches Ausreisevisum im blauen Paß als auch das französische in meinem Travel.

Inzwischen war, kaum zwei Monate nach den Zweitausend Worten, der kurze Traum vom menschlichen Sozialismus in der Tschechoslowakei ausgeträumt. Die Panzer rollten nach Prag. Das ganze Land wurde in einem imperialistischen Kraftakt besetzt. Die R. ständig quälende Selbstbefragung, was am Sozialismus verbesserungsfähig sei, hatte eine brutale Antwort erhalten. Das System war nicht auf Verbesserung aus; dieser sogenannte real existierende Sozialismus war real existierende Machtpolitik. Im Winter werden wir wissen, woran wir sind – die prophetische Zeile der Träumer von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz war nach hinten losgegangen. Der Winter stand noch bevor, aber man wußte schon jetzt, woran man war. Die Tschechoslowakei hatte ein Besatzungsregime, und das war – wie jedes Besatzungsregime – dazu da, den Willen der Besatzer durchzusetzen. Mit Hilfe eingeborener Verräter.

Ich habe in Prag und Bratislava und überall dazwischen nach der Panzerinvasion Chemiedoktoren und Rechtsanwälte und Filmregisseure getroffen, die – weil sie die Ergebenheitserklärung für das neue Regime nicht unterschrieben – inzwischen als Kellner Straßenkehrer Heizer ein Unterkommen gefunden hatten. Dubček wurde, nachdem ihn sowjetische Truppen entführt und unter Druck gesetzt hatten (sie brauchten einen Quisling und fanden ihn später auch, aber nicht in Alexander Dubček) in einen slowakischen Forstbetrieb abgeschoben. Erst zwanzig Jahre später stand Dubček wieder auf der politischen Bühne – neben Vaclav Havel und den anderen Kämpen der samtenen Revolution.

Join the Kundendienst and see the world! Als ich im Spätsommer 1968 nach Paris kam, hatte sich die Stadt gründlich verändert. Der Boulevard Saint Michel und seine Nebenstraßen waren frisch geteert, die neue Straßendecke konnte niemand mehr zum Barrikadenbau umnutzen. Für die Touristen gab es Gummiwürfel zu kaufen, 10 Francs das Stück, die wie die sagenhaften Pflasterseine vom Mai aussahen. Sie pfiffen, sobald man draufdrückte und die Luft zum Entweichen brachte. Sagte jemand die Ereignisse, war allerdings nicht mehr der Mai gemeint, sondern das, was in Prag seit dem 21. August geschehen war. Das Französische hatte ein neues Lehnwort aus meiner Muttersprache: Panzerkommunismus, phonetisch: Panserkohmuniesmuhs.

Die französische KP konnte sich der allgemeinen Ablehnung des Einmarsches nicht entgegenstellen. Sie mißbilligte ihn: Le Comité Central de notre parti désapprouve l’intervention militaire en Tchécoslovaquie. Letztendlich läßt sich jeder blinde Fleck überwinden. Was übersehen werden soll aber nicht mehr übersehen werden kann, muß nur sperrig genug sein, um unübersehbar zu werden. Auch bei noch so schräger Kopfhaltung mit unweigerlich folgender Nackensteife.

In Paris war R. für ORWO dann nur noch einmal: zur Messe Anfang Mai 69. Am 1. Mai sprach auf dem Messestand an der Porte de Versailles vor dem zum Feiertag versammelten Standpersonal Handelsrat Schramm. Zwischen Notizen über Kundengespräche und Meßwerte von Laborbesuchen hat R. seine Gedanken und Beobachtungen von dieser Versammlung untergebracht.

Da es keine diplomatischen Beziehungen mit Frankreich gibt, ist Schr. als Leiter der Vertretung der Kammer für Außenhandel höchster Vertreter des deutschen Arbeiter- und Bauernstaates in Paris. Georges Pompidou im Profil und von der Statur her nicht unähnlich, liebt er es, sich als Diplomat aufzuspielen. Im Bericht von einem der zahlreichen DDR-Siege bei der Winterolympiade in Grenoble hatte es im Neuen Deutschland geheißen: Zu Ehren dieses schönen Erfolges unserer sozialistischen Sportler ließ Handelsrat Schramm Champagner entkorken. – Solch ein Zeitungssatz bleibt haften, hat man Handelsrat Schr. aus nächster Nähe agieren sehen.

Seine buschigen Augenbrauen, der stechende Blick, die raumgreifenden Schritte, die imposante Gestalt; dazu die gesetzte, doch blumige Sprache. Er wäre so gern nicht nur Handelsrat, sondern Botschafter in Paris gewesen. An diesem 1. Mai 69 an der Porte de Versailles darf er vor seinen Exportsoldaten so tun, als sei er es. Was er sagt, schert sich weder um die Realitäten daheim, von denen die Anwesenden einiges wissen und er offenbar nichts, noch um sprachliche Fallstricke, die seine Worte unweigerlich ins Lächerliche stolpern lassen. Bei uns hat es niemand nötig, auf die Straße zu gehen. Wir nehmen den neunten Platz in der Industrieproduktion in der Welt ein. Das soll uns erst einmal jemand nachmachen! Seht euch die Verhältnisse an, unter denen die Menschen hier arbeiten, auch in den Büros. Ich glaube nicht, daß unter diesen Umständen bei uns heute noch jemand arbeiten würde.

Mittlerweile hatte es im Werk geheißen: Wenn wir Sie und ihre Frau auf eine Außenstelle schicken, dann höchstens nach Moskau. Das Stasi-Ministerium in Berlin, Hauptabteilung XVIII (Volkswirtschaft) hatte im November 68 bei der Bitterfelder Kreisdienststelle ein Führungszeugnis angefordert, das in diesem Fall – anders als für den Einsatz in Jugoslawien – nicht verweigert wurde.

Ich fand eine Kopie dieses Dokuments unter den BStU-gestempelten Papieren in R.s Koffer: Kaderüberprüfung 1401, datiert 10. April 69. Nach einer raumgreifenden Einschätzung (einer ihrer Lieblingsausdrücke zur Bemäntelung der willkürlichen Schlußfolgerungen aus irgendwelchen – in diesem Fall monatelangen – Recherchen) heißt es: R. ist in seinem Wesen sehr strebsam, besonnen und besitzt einen ausgeglichenen Charakter. Helfender Kritik gegenüber zeigt er sich aufgeschlossen. Bei Verhandlungen ist er sehr wendig und hat sich einen guten Leumund, auch im Ausland, erworben. Negative Hinweise liegen nicht vor. Einem Einsatz des Ehepaares in der UdSSR wird unsererseits zugestimmt. – Mit diesem Persilschein im Hintergrund ging alles sehr flott.

Moskau also. Wieder hieß es: Einführungsreise. Und: Lernen Sie inzwischen die Landessprache. Und: Wann werde ich endlich Genosse zu Ihnen sagen können, Kollege? Sinnigerweise schickt man jemanden nach Moskau, der auf der Schule nie Russisch gelernt hatte (Irina brauchte Sprachschwierigkeiten nicht zu befürchten). Jemanden, der sich partout nicht mit Genosse anreden lassen wollte. In Moskau mußte ich es dann doch; im Alltag der Handelsvertretung wurde diese Anredeformel unabhängig von der Parteizugehörigkeit benutzt, wie bei der Armee und ähnlich strukturierten Institutionen. Auch das sowjetische Russisch kannte nur diese eine Anredeformel: Towarischtsch.

Unbeschadet all dessen hieß es am Ende mancher Besprechung auch in der Handelsvertretung Moskau: So, die Genossen bleiben mal noch zehn Minuten hier. Dann waren R. und Irina oft die einzigen, die aufstanden und den Raum verließen. R. absolvierte die Einführungsreise Moskau-Kiew-Charkow-Riga-Leningrad-Moskau in knapp drei Wochen. Seither war er beim Außenhandelspartner Sojuschimexport, bei Allunionsinstitutionen mit mehr oder weniger durchsichtiger Aufgabenstellung ebenso wie bei Endverbrauchern in Kopierwerken Fernsehanstalten Druckereien Amateurfilmlabors Röntgenfilmdepots als Towarischtsch R. bekannt. Er ging, als er dann für ständig in Moskau war (es wurden dreieinhalb Jahre), nie mit Dolmetscher zu den Kunden.

Mein holpriges Russisch wurde bei den Kunden wohlwollend toleriert, oft gab es helfende Eingriffe. Ich sprach – so hatte ich es gelernt – Kopierwerksdirektoren und Filmvorführer, Laborantinnen und Laborchefs, ja selbst höchstmächtigste Allunionsleute und deren Chauffeure und überhaupt jeden und jede mit Familiennamen an – und dem  Towarischtsch davor, eine Gleichheit vorgaukelnd, die es nicht gab. Das hörten sich die Kopierwerksdirektoren und ihre Filmvorführer, Laborchefs und Laborantinnen, die Allunionsleute und deren Chauffeure ein halbes Jahr lang mit an. Dann kam – ich weiß nicht mehr, von wem – die Frage: Sagen Sie, wie heißt eigentlich Ihr Vater mit Vornamen?

Oder sagten sie hieß? Lebte R.s Vater zu dieser Zeit noch? Ich habe R. immer R. genannt. Nicht nur in diesem Text, der Einfachheit halber auch in unseren Unterhaltungen. All meine Vorstöße, ihn, sobald er mich Jeff nannte, mit seinem eigenen Vornamen anzusprechen, schlugen fehl, ja, er wischte sie unwirsch vom Tisch: Laß mal, R. klingt viel besser. Das ging so weit, daß ich seinen wirklichen Vornamen inzwischen vergessen habe. So bin ich gezwungen, nun, zu diesem Zeitpunkt meiner Erzählung, nicht nur für R.s Vater, sondern auch für ihn selbst einen Vornamen zu bestimmen. Ich werde ihn Rolf nennen und den Vater gleich mit. Die Auskunft über seines Vaters Vornamen an einen der danach fragenden sowjetischen Kopierwerksdirektoren (oder war es ein Filmvorführer? eine Laborantin?) wurde zur Geburtsstunde des Rolf Rolfowitsch R., Mitarbeiter der Handelsvertretung der DDR in Moskau, Technisch-Kommerzielles Büro Kamerafilm. Mit sich langsam verbessernden Russischkenntnissen und zweisprachiger Visitenkarte. Er fühlte sich angenommen und zugleich von einem Teil der Förmlichkeit vorgeschriebener Etikette bei den Kundenbesuchen befreit. Die Übereinkunft schloß nämlich Gegenseitigkeit ein, und Boris Nikolajewitsch oder Lydia Fjodorowna oder Stepan Iwanowitsch klang bedeutend freundlicher als Genosse Direktor oder Towarischtsch Rasputina.

Die Kunden sind zumeist kenntnisreich und gleichzeitig wissensdurstig. Sie stellen qualifizierte Fragen und haben Verständnis, gibt es in Wolfen Produktionsschwierigkeiten – und das ist eigentlich immer. So etwas kennen sie aus dem eigenen Laden. Nur eins wollen sie nicht: verschaukelt werden. Sie erwarten Ehrlichkeit als Voraussetzung für ihr Vertrauen.

Das versuche ich den Kollegen in Wolfen zu vermitteln. Doch die zogen daraus bald ihre eigenen Schlüsse. Sie sagten mir nicht mehr alles, was ich eigentlich hätte wissen müssen. Gab es bei der Herstellung einer Filmsorte eine länger anhaltende Fehlerperiode und dadurch bedingte Fragen der Studio- und Kopierwerksleute an Rolf Rolfowitsch, griff ich  zum Telefon, rief zu Hause im Kundendienst an und bekam hinhaltende Antworten zu hören, oft auch schlankweg Lügen. Rote Punkte auf Color Positiv? Nie gehört! Und wenn, dann vor Jahren – aber doch nicht jetzt. Und Lieferverzug? Nicht der Rede wert. Mach das deinen Sowjets klar!

Zum Glück erscheint in Wolfen allwöchentlich eine Betriebszeitung, der Filmfunken. Die kommt zwar mit erheblicher Verspätung bei mir in Moskau an, aber sobald ich, ratlos über eine Rote-Punkte-Epidemie bei den Verarbeitern, das Blatt aufschlage, springt mir eine reißerisch aufgemachte Doppelseite entgegen, mit Gruppenfotos mehrerer Kollektive: Kampfauftrag an Begießerei Sieben – Produktion Color-Positivfilm stabilisieren! Rote Brigaden sagen roten Punkten den Kampf an. In einem Regal meines Büros in der DDR-Handelsvertretung, Uliza Dimitrowa – Irina und ich teilen den engen Zimmerschlauch mit unserem gemeinsamen Chef, der Außenhändler ist, dessen Dolmetscherin und einer Abteilungssekretärin – stapeln sich die verstaubten Exemplare des Filmfunken als zuverlässiges Privatarchiv. Darin recherchiere ich, gilt es den zeitlichen Ablauf bei der Einführung eines neuen Filmtyps nachzuvollziehen oder über die voraussichtliche Länge eines sich eben abzeichnenden Qualitätseinbruchs zu orakeln. Ich habe diesen Schatz erfolgreich gegen alle Anstrengungen meines Chefs verteidigt, das blöde Altpapier endlich aus dem Weg zu schaffen.

War Rolf Rolfowitsch R. wirklich dreieinhalb Jahre in Moskau? Wenn wirklich mit Wirkung zu tun hat, mag das stimmen. Als Ergebnis steht die Zerrüttung seiner Ehe mit Irina zu Buche. Es kam zur allmählichen Entfremdung der beiden, nicht zuletzt durch das tägliche vierundzwanzigstündige Beisammensein im Büro wie nach Feierabend. Über die genaueren Umstände hat er nie gesprochen. Kundenbesuche waren die einzigen Fluchtfenster – Irina betreute die Foto- und Schmalfilmlabors in Moskau Tallin Tiblissi. Es kam zu Seitensprüngen und R. wurde unerwartet in Leningrad Vater eines Knaben. Diese Stadt hatte er schon auf der Einführungsreise gern besucht, auf den Reisen von Moskau aus dann weit häufiger als Nowosibirsk Kiew Riga Charkow. Bald auch ohne die wirkliche Notwendigkeit von Kundenbesuchen, obwohl er über diese weiter fleißig Berichte schrieb – in erheblicher Ausschmückung von Stippvisiten in Labors Studios Kopierwerken, zum Teil als reine Fiktion. Und nie ohne Hinweis auf die Wichtigkeit des nächsten Besuchs.

Das Studio für Populärwissenschaftliche Filme (Hauptingenieur Genosse Glasman, Iwan Iwanowitsch) liegt etwa 20 km vom Stadtzentrum entfernt. Der vor drei Jahren erbaute weitläufige Gebäudekomplex beherbergt Studiohallen und Werkstätten zur Produktion von Lehr- und Werbefilmen, Puppen- und Zeichentrickfilmen, Agitationsfilmen und anderen Kurzfilmen aller Art. Das Kopierwerk ist mit fünf Defa-Entwicklungsmaschinen ausgerüstet. Verarbeitet wird ausschließlich 35mm-Material sowjetischer und unserer Produktion, keine Schmalfilmformate. Insgesamt etwa 9 Mio Meter jährlich, davon etwa die Hälfte Negativmaterial. Bei der Trocknung unserer Positivfilme tritt hin und wieder der Fehler Runzelkorn auf. Es ist eine kontinuierliche Betreuung dieses Kundenbetriebes durch den in Moskau stationierten Techniker notwendig, um durch Drängen auf strikte Einhaltung der vorgeschriebenen Parameter (vor allem der Temperaturen des Wassers, der Verarbeitungsbäder und der Luft bei der Filmtrocknung) optimale Ergebnisse zu erzielen.

In einer zweiseitigen Einschätzung sagt IM Elke ihrem Führungsoffizier in der Moskauer DDR-Handelsvertretung an: Die Ehe des Ehepaares R. kann als normal eingeschätzt werden, wobei zu berücksichtigen ist, daß manche Männer (hier folgen vier geschwärzte Namen lieber Kollegengenossen) sich über den Fortbestand dieser Ehe wundern. – Nach Sprachduktus und IQ der Ansagerin, hat R. an den Rand der Xerox-Kopie dieses Dokuments geschrieben, war IM Elke unsere Abteilungssekretärin; sie stammte aus Zwickau.

Vielleicht hat doch jemand die Besuchsberichte noch einmal gelesen und bei den Kunden rückgefragt? Wie lange war Rolf Rolfowitsch eigentlich bei Ihnen, was ist aus diesem oder jenem Problem geworden, von dem er berichtet, können wir bei dessen Lösung irgendwie helfen? Wir werden bald in der Lage sein, ein Color-Positiv-Material mit einer gehärteten Emulsion anzubieten, das auch unter den extremsten Verarbeitungsbedingungen gegen Runzelkorn resistent sein dürfte.

Ich stelle mir vor: R. wird eines Tages zum Stellvertreter des Handelsrates vorgeladen, dem in der Uliza Dimitrowa für Protokoll- und Kaderfragen zuständigen Mann. Der Genosse residiert in einem Büro, das R. als äußerst geräumig vorkommen muß, vergleicht er es mit dem eigenen Arbeitsort. Keine überladenen Regale zur Akten- und Musterablage, kein Gefühl des Vollgestopftseins mit fünf Arbeitsplätzen. Ein einzelner, schräg vor dem Fenster postierter Schreibtisch aus dunklem Holz mit heller gehaltenen Furniereinlagen an der Stirnseite und sicher auch an den Seiten – aber die sieht er nicht -, davor ein schon auf den ersten Blick unbequem anmutender Stuhl. In der Ecke neben der Tür eine Sesselgruppe mit Tischchen für kleine Besprechungen, wohlwollend überschaut von einem farbigen Honeckerbild an der Wand: Hornbrille heller Anzug Parteiabzeichen; auf den Lippen ein bieder wirkendes Lächeln – und das alles vor einem glatten azurblauen Hintergrund. Eine Hellerauer Schrankwand mit Wimpeln von Wettbewerben Betrieben Messen, dazu anderthalb Meter Lenins gesammelte Werke. Was in den Schubladen und hinter den Türen der Schrankwand verborgen ist, wagt R. nicht zu vermuten. Ebenso ungewiß bleibt ihm zunächst der Grund, aus dem er hierher bestellt worden ist.

Ihm wird der Stuhl vor dem Schreibtisch als Platz angewiesen. R. setzt sich und weiß sofort: dies ist der Armesünderstuhl. Hier wird kein Wodka, kein armenischer Cognac angeboten wie bei einer Gesprächsrunde in der Sesselecke oder wie bei seinen Kopierwerksbesuchen, nicht einmal Kaffee. Hier gibts nur streight talk. Ohne Drumherumreden kommt der Stellvertretende Handelsrat dann auch zur Sache: Wir sind von sowjetischer Seite über moralisches Fehlverhalten während deiner Dienstreisen hier im Land informiert worden. Ich sage nur: Leningrad. Die Leitung der Handelsvertretung hat beschlossen, dich nach Hause zu schicken. Der Außenhandel und dein Stammbetrieb sind bereits unterrichtet. Alles ohne Absatz und Atempause.

R. ist zunächst völlig baff, dann setzt er sich gerade und sagt etwas von Bestrafung. Darauf der Stellvertreter: Aber wer spricht denn von Bestrafung! Wir schaffen nur klare Verhältnisse. Du bleibst hier, bis du einen Nachfolger bei den wichtigsten Kunden in Moskau eingeführt hast. In Moskau – ist das klar? Nach Leningrad fährst du nicht mehr.

Ich habe mir inzwischen sagen lassen, daß der Leiter der Moskauer Handelsvertretung nicht Handelsrat hieß, sondern Handelsvertreter. An der Sache ändert das nichts – auch nicht am möglichen Verlauf eines Kadergesprächs mit dem Stellvertreter.

Nur – kann R.s Rückruf aus Moskau nicht auch auf etwas ganz anderem beruht haben? Einem einfachen Formfehler? Hat er unter Umständen nur den Termin für einen quartalsweise fälligen Tätigkeitsbericht nicht eingehalten? Ein Übersichtsformular zum Reisegeschehen an der Handelsvertretung nicht ordnungsgemäß ausgefüllt? Seinen monatlichen Mitgliedsbeitrag in der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft nicht rechtzeitig bezahlt?

Das mag sein, wie es will, inzwischen geht es längst nicht mehr nur um die Zeit in Moskau und deren Ende. R. war nach der Rückversetzung ins Wolfener Werk länger als ein Jahr für jede Auslandsdienstreise gesperrt – egal in welcher Richtung. Er bekam ein nicht näher umrissenes Aufgabengebiet angewiesen, zu Kundenbesuchen nach Babelsberg und Berlin durfte er. Auch ins sozialistische Ausland hat man ihn dann irgendwann wieder geschickt: nach Bulgarien, in die Tschechoslowakei. Meist, weil Not am Mann war und für den Absatz von in großen Mengen anfallender fehlerbehafteter Ware nicht genug Servicetechniker zur Verfügung standen. Bald darauf kamen die Mongolei Nordkorea China dazu. Die Westländer aber blieben ausgespart.

Aus einer Reisedirektive zum Besuch des Filmlabors Prag-Barrandov vom Sommer 1975: Dienstreise zwecks Erprobung laufender Produktion zur Absatzsicherung. Die Freigaben von Color-Positiv-Film durch die Prüfstelle sind selbst bei der derzeitigen optimierten Produktion wegen des noch immer vorhandenen schwachen Runzelkorns mit großem Risiko behaftet, insbesondere deshalb, weil die Verarbeitungsbedingungen beim Kunden (Typ der Entwicklungsmaschine, Wasserhärte und –temperatur u.dgl.) einen wesentlichen Einfluß auf die Stärke des Runzelkorns haben. Das Filmlabor Barrandov wird allein in den Monaten Mai und Juni dieses Jahres 3 Millionen laufende Meter 35 mm Color-Positiv-Film abnehmen. Die Erfüllung des Absatzplanes in dieser Position ist der entscheidende Bestandteil der Planarbeit unseres Kombinats. Den auf den Ergebnissen der Dienstreise basierenden Entschlüssen kommt somit eine hohe politische Bedeutung zu. Der Dienstreisende hat dem Kunden die mitgeführten Proben als „sensitometrische Tests“ zu übergeben und ihre Verarbeitung unter den üblichen Bedingungen an Ort und Stelle zu überwachen. Die Auswertung erfolgt sofort nach Rückkehr ins Werk.

R. ist, als er der Feuerwehrreisen zur Unterbringung fehlerhafter Ware müde ist und das Nichtmehrreisenkönnen in westlicher Richtung – aus welchen Gründen auch immer – bedrohliche Dauerrealität wird, aggressiv aus Verzweiflung. Bei der ihm eigenen Reisebesessenheit reizt es ihn nicht, nur Länder besuchen zu dürfen, in die er auch als Urlauber fahren könnte. Und in der Zwischenzeit bis zur Rente Kundenbriefe beantworten zu sollen

… bedauern wir zutiefst den auf unserem Color-Schmalfilmmaterial von Ihnen festgestellten Fehler Gelbe Schramme. Ihrer Forderung nach Rückerstattung der gesamten Urlaubskosten, um die in Ihrem Schreiben erwähnte Ungarn-Reise zu wiederholen, können wir allerdings nicht nachkommen. Wie aus dem Aufdruck auf der Verpackung unseres Materials ersichtlich, kann Ersatz nur in gleicher Art und Menge geleistet werden. Wir bringen mit getrennter Post zwei Schachteln Schmalfilm als Reklamationsersatz an Ihre Adresse auf den Postweg und verbleiben mit freundlichen Grüßen. – Um dem lebenslangen Schreiben solcher Episteln zu entgehen, war ich schließlich bereit, Risiken einzugehen.

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Über Otto Emersleben

- 1940 in Berlin geboren. Physikstudium, Diplom 1964 in Sofia, Bulgarien - 12 Jahre Kundendiensttechniker der Filmfabrik Wolfen. Reisen in Europa und Asien - In Dessau Mitarbeit im Literaturzirkel von Werner Steinberg - Ab 1975 Veröffentlichung historischer Erzählungen (Reihe DAS NEUE ABENTEUER) - 1976 freischaffender Autor in Greifswald (Vorpommern) - 1977/78 Szenaristenkurs (Filmhochschule Babelsberg) - Studienreisen: Buchara (1977), Venezuela/Peru/Cuba (1983). USA (1987) - Seit 1992 ständig in Brunswick ME
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