Ein Leben in Flüssen (II)

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Moskau hieß natürlich vor allem und erst einmal: die Moskwa. Im Winter saßen Eisangler auf dem Fluß, und als ich einen davon mal fragte, was denn das Angeln im Winter vom Angeln im Sommer unterscheide. antwortete er: Man braucht mehr Wodka. –  Ohne Genehmigung durfte man als Ausländer nicht aus der Stadt, selbst nicht bei Sonntagsausflügen zur Buchta Radosti, einem Badestrand an einem Stausee des Moskwa-Wolga-Kanals, den – wie überhaupt den ganzen Kanal – GULAG-Häftlinge mit Schubkarre und Spaten gebaut hatten. Ein Kopierwerksbesuch in Rjasan brachte mich an die Oka, flußab der Stelle, an der sie das Wasser der Moskwa aufnimmt. In Dubna, beim Besuch bulgarischer Freunde im Internationalen Kernforschungszentrum, endlich die Wolga. In Leningrad die Newa und die Grachten: Fontanka, Mojka und wie sie alle heißen. In Kiew der Dnjepr mit langen Dampferfahrten: flußauf (bis zum Staudamm, vor dem die Desna mündet) und flußab (nach Kanjew/Kaniv, wo der ukrainische Dichter Taras Schevtchenko begraben liegt). Die Vilnja habe ich bei einem Besuch von Icchokas Meras gesehen, in der litauischen Hauptstadt, der der Fluß den Namen gab. Die Texte des experimentierfreudigen Prosadichters Meras waren damals das Höchste an Avantgarde für mich. Er emigrierte später nach Israel.

An Rigas Strom Düna/Daugava am nachhaltigsten erinnerlich die Steinbrücke. Bei einer Zugfahrt von Tallin nach Leningrad die Narwa bei gleichnamiger Stadt und Burg an der Grenze zwischen Estland und Rußland. Und auf einer Autofahrt von Wolfen nach Moskau der Bug, die Beresina, der Oberlauf der Moskwa. (Beim Schreiben merke ich, daß ich bei dieser Fahrt natürlich vorher über Oder und Weichsel gekommen bin und das wohl unterschlagen hätte, wäre da nicht die Erinnerung an Thorn und meine Reverenz für Kopernikus an seinem Geburtshaus). – Beim Besuch von ORWOs weltgrößtem Kunden, dem Massenkopierwerk in Nowosibirsk, kam ich nach zwei Tagen Eisenbahnfahrt von der Moskwa zum Ob. Und später, noch weiter östlich, auf dem Rückflug von einer Dienstreise nach Nord-Korea, an den Amur und Ussuri bei Chabarowsk.

wird fortgesetzt

…. und weiter im Text von SELFIE MIT BLOCKHAUS

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Über Otto Emersleben

- 1940 in Berlin geboren. Physikstudium, Diplom 1964 in Sofia, Bulgarien - 12 Jahre Kundendiensttechniker der Filmfabrik Wolfen. Reisen in Europa und Asien - In Dessau Mitarbeit im Literaturzirkel von Werner Steinberg - Ab 1975 Veröffentlichung historischer Erzählungen (Reihe DAS NEUE ABENTEUER) - 1976 freischaffender Autor in Greifswald (Vorpommern) - 1977/78 Szenaristenkurs (Filmhochschule Babelsberg) - Studienreisen: Buchara (1977), Venezuela/Peru/Cuba (1983). USA (1987) - Seit 1992 ständig in Brunswick ME
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