Ein Leben in Flüssen (III)

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Eine Fortsetzung von Ein Leben in Flüssen, Nordamerika betreffend, war nicht in R.s Koffer. Und doch muß er eine solche irgendwann geschrieben (oder doch: zu schreiben beabsichtigt) haben, denn ich fand, in seiner Handschrift, die folgende Seite: Nach den Flüssen in meinem Leben die Inseln, auf denen ich war: Stromboli, Lampedusa, Hiddensee, Helgoland (erst beim zweiten Versuch 97; zwei Jahrzehnte zuvor, kurz nach Ende der Bombenabwürfe, hatte ich es nur bis Cuxhaven geschafft; das Schiff ging nur alle zwei Wochen, und fürs Warten waren die Osterferien zu kurz). Mit Louise ein paar Antillen, Große wie Kleine, die Insel Kishi im Onegasee in Karelien, das ganze Gestöber der Inseln vor Maines Küste (allein in der Casco Bay, direkt vor unserer Haustür, gibt es so viele davon wie Tage im Jahr: the Calender Islands). Das ewig sonnige Hvar in Dalmatien (der Insel Korcula benachbart, wo Marco Polo sich mit den Genuesen schlug und in Gefangenschaft kam; es gibt sogar Stimmen, die behaupten, er sei auf Korcula geboren und habe als Muttersprache Kroatisch gesprochen: wohl der jüngste Auswuchs der weitverzweigten Polo-Legende). DiePfaueninsel in der Havel und die Insel Imchen vor der Dampferanlegestelle in Kladow (dort bin ich mal mit zwei Klassenkameraden im Faltboot gelandet, die Wasserpolizei hat uns erwischt und wir mußten – es war Naturschutzgebiet und ist es wohl noch – zwei D-Mark Strafe zahlen: den Preis von zwanzig Sahnebonbons), Ischia vor Napoli, andere ließen sich anfügen. Auf der anderen Seite die Inseln, auf denen ich nicht war – Bornholm, die Törnstedter Oie, Tahiti und Bulgariens KZ-Insel Belene in der Donau, um das Problem zu umreißen. Und Crocker Land. Nach Bornholm segle ich sicher noch mal (wenn auch der erste Versuch mit Ingolf fehlschlug: der Sturm hielt uns an Rügens Küste, und wir mußten am Königsstuhl kehrtmachen; am Ende waren wir froh, es in den Hafen von Saßnitz zu schaffen). Zur Törnstedter Oie ging 89 schon die Generalprobe mit Ingolfs „Altem Pilger“ schief. Das Tahiti zu Zeiten Bouganivilles, Cooks und der anderen Kämpen kenne ich wie die sprichwörtliche Westentasche.

So will ich selbst versuchen, hinter sein amerikanisches Leben in Flüssen zu kommen. Im Nordosten der USA, zwischen Hudson und Sankt-Lorenz-Strom (beide hat er gesehen – ich erinnere mich, daß er von Besuchen in New York und Quebec City sprach) gibt es Gewässer, die in Europa niemand kennt und die doch streckenweise breiter als Elbe und Rhein sind: der Connecticut River, der Kennebec und Penobscot. Kleiner dann – alle in Maine – Sacco, Royal River und der Androscoggin mit dem Collegestädtchen, in dem ich ihn kennenlernte. Sie alle kommen aus den großen Seen im Innern Neu-Englands und entwässern das Land bis hin zur Wasserscheide nach Canada.

Bei unserem Kurzausflug nach Wyoming sah er im Vorbeifahren den Laramie und den North Platte River.  Von einer späteren Autofahrt durch Amerikas Westen, gemeinsam mit Louise,  kannte er Yellowstone River und Colorado. Mit ihr war er auch (und zwar in New Orleans, Memphis und St. Louis) am Mississippi sowie am Missouri und Arkansas. In Pennsylvania sind wohl vor allem der Ohio zu nennen und die beiden Flüsse, aus denen er sich bei Pittsburgh formiert: Allegheny und Monongahela. Auf einem Zufluß des letzteren, dem Youghiogheny, ist er mit Louise zu ihrem 50. Geburtstag in einem Gummiboot – wir nennen es Floß – über die Stromschnellen gebrettert.

Bei meiner Auflistung vergessen habe ich den Unterlauf des Delaware auf der Fahrt von Maine nach Pennsylvania, ein schönes Tal. Und die wilden Flüsse im Norden Maines: Aroostook, St. John, St. Croix. Nie gewesen ist er hingegen am Rio Grande ganz im Süden der USA und im Norden am Yukon.

Zum Epilog

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Über Otto Emersleben

- 1940 in Berlin geboren. Physikstudium, Diplom 1964 in Sofia, Bulgarien - 12 Jahre Kundendiensttechniker der Filmfabrik Wolfen. Reisen in Europa und Asien - In Dessau Mitarbeit im Literaturzirkel von Werner Steinberg - Ab 1975 Veröffentlichung historischer Erzählungen (Reihe DAS NEUE ABENTEUER) - 1976 freischaffender Autor in Greifswald (Vorpommern) - 1977/78 Szenaristenkurs (Filmhochschule Babelsberg) - Studienreisen: Buchara (1977), Venezuela/Peru/Cuba (1983). USA (1987) - Seit 1992 ständig in Brunswick ME
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3 Antworten zu Ein Leben in Flüssen (III)

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