Konzept: Bilder für eine Ausstellung (AT)

Ich besuche (allein? in Begleitung?) eine Ausstellung von Bildern und anderen Kunstwerken, die das Thema Die Polos in Buchara zum Hintergrund haben. Das lässt erst einmal offen, ob es sich – historisch „genau“ – nur um die Brüder Nicolo und Maffeo handelt, oder ob – historisch „fantastisch“ – auch Little Marco dabei ist; die Frage kann von dem (den?) Ausstellungsbesuchern thematisiert werden.

Oder sie wird zum strittigen Punkt bei der Zulassung von eingesandten (oder in Betracht gezogenen) Kunstwerken zu der Ausstellung. Und ich bin der Ausstellungsmacher (independent curator). Wie sich im Verlauf der Erzählung herausstellt, habe ich aber noch keine Interessenten, denen ich die Ausstellung überhaupt anbieten kann (Museum, Galerie o. dgl.).

Ansatz meines Herangehens ist der Umstand, dass der Aufenthalt der Gebrüder Polo in Buchara (etwa 1265) in „dem“ Buch, das wir unter dem Namen von Marco Polo kennen, zwar kurz erwähnt, aber nicht genügend gewürdigt wird als der entscheidende Augenblick des ganzen Polo-Geflechts: hier treffen sie, die noch immer – wegen diverser Kriegswirren – nicht nach Venedig zurückkehren können, einen mongolischen Gesandten, der sie auffordert,  mit ihm zum Hof des Grosskhans zu kommen. Ohne den Entschluss, seine Einladung anzunehmen, hätte es die zweite Reise nicht gegeben, auf die – historisch „genau“ – Little Marco mitgenommen wurde; ohne diese zweite Reise aber auch nicht „das“ Buch.

Wer hat zu dem Entschluss beigetragen? Hodscha Nasreddin, der zeitgleich in Buchara war (könnte schon mal eins der Bilder sein: „Der Rat des Hodscha“; oder ein mobile gleichen Titels?)?

Zum Thema „Ausstellung“ schwebt mir so etwas wie Giovanni Paolo Paninis Sammlung von Rom-Bildern vor, die er in zwei Grossbildern (Ancient Rome, Modern Rome, beide 1757) als in einer Galerie präsentierte Objekte arrangiert hat. Dabei ist nicht zu vergessen, dass nicht nur die ausgestellten Gemälde ausgeführt werden müssen, sondern auch die Galerie mit ihren Säulen und Bögen und Aussichten, in der sie arrangiert sind. Da wären meine Schreibumstände zu erwähnen und die Widerwärtigkeiten, die sie ständig umlauern. Oder die Zänkereien des Kurators bei der Auswahl der Kunstwerke für die geplante Show (mit den Künstlern selbst, ihren Agenten bzw. Galeristen und einfachen Lobbyisten mit diversen geheimen Nebeninteressen). Eingebettet in seine opportunistischen Berechnungen, wie er am günstigsten einen Interessenten für die Show findet.

Die Aussichten der Galerie können als endlos erscheinen, wie Spiegelbilder im nächsten Spiegel, wenn ab und zu Sätze fallengelassen werden wie: Davon später mehr. Oder: Hierauf werden wir (werde ich?) noch im Detail zurückkommen – ohne dass das Versprechen je eingelöst wird. Entsprechend dazu auch Dinge wie Davon war bereits die Rede oder Wie schon erwähnt – obwohl das nicht „stimmt“.

Anfangen mit einer Bildbeschreibung (z.B. Maffeo auf dem Weg zur Mündung des   Serawschan – der Name des Flusses ist persischer Herkunft und bedeutet „Goldspender“).

Daran schliesst sich das erste Ich-Jetzt-Kapitel an, mit mit Nachdenken (oder einem Gespräch mit einer Zweitperson) über das, was der Venezianer dort wohl sah/suchte/empfand/dachte. (Schon der Brockhaus von 1912 sagt: Der Serawschan verliert sich im Salzsumpf Kara-göl). Dsgl. mein Meyer. Aber lässt das den Schluss zu, der Goldspender habe nicht erst seit gut hundert Jahren, sondern schon 1265 sein Ziel, den Amu Darja, nicht erreicht? Oder floss der damals überhaupt ganz anders als heute und das Versickern im Salzsumpf war eher da als das Mündenwollen im Oxus? Darüber kann ich mich kundig machen – oder ich kann es lassen und drauflosspekulieren. Was immer sich als ergiebiger erweist.

Aber ehe es soweit ist, muss ich vor allem erst einmal am Verhältnis der beiden reisenden Brüder arbeiten, denn natürlich ist der Begriff „die Polos“, alleingelassen, irreführend. Warum waren sie überhaupt gemeinsam aufgebrochen? Hatten beide ein gleichstarkes Interesse daran, nach Venedig zurückzukehren – oder gabs unterwegs diesbezügliche Spannungen, Handlungen gar, die den Ausgang der Reise so oder so beeinflussen sollten? War das (von wem?) arrangierte Treffen mit Nasreddin eine solche Handlung?

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Im Juli 2017 dann schon Text:

Ein Strich in der Landschaft – dort, wo die Wüste an den glattblauen Himmel stößt . Ein verwaschener Strich, die Luft in der Ferne ist flirrend. Kurz unter dem Strichband des Horizonts die Andeutung einer ausgefransten blassgrauen Form mit weissen Rändern, unklar in der Ausdehnung, durch die Draufsicht optisch verkürzt. Vermutlich ein Salzsumpf. Oder doch ein austrocknender See? Ich will mich nicht festlegen Der den Salzsumpf (oder den austrocknenden See) speisende Wasserlauf ist hinter Sandwällen verborgen, ein parallel verlaufender, entfernterer Wall lässt zumindest einen Graben vermuten.  Möglich ist, dass der Graben augenblicklich kein Wasser führt, sondern nur in der Regenzeit. In den eintönigen Wüstensand sind hier und da dunkelgrüne Farbtupfer gesetzt, wohl Büsche. Vermutlich Saxaulsträucher, anderes gedeiht nicht in der Dürre. Auf halbem Weg zwischen Bildunterrand und Horizont ein Kamelreiter, sich vom Betrachter entfernend.  Zu erkennen ist sein schmutzig-weisses Gewand, das auch Kopf und Beine verhüllt. Als Bildtitel ist angegeben: Ritt zur Mündung des Serawschan.

 

 

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Über Otto Emersleben

- 1940 in Berlin geboren. Physikstudium, Diplom 1964 in Sofia, Bulgarien - 12 Jahre Kundendiensttechniker der Filmfabrik Wolfen. Reisen in Europa und Asien - In Dessau Mitarbeit im Literaturzirkel von Werner Steinberg - Ab 1975 Veröffentlichung historischer Erzählungen (Reihe DAS NEUE ABENTEUER) - 1976 freischaffender Autor in Greifswald (Vorpommern) - 1977/78 Szenaristenkurs (Filmhochschule Babelsberg) - Studienreisen: Buchara (1977), Venezuela/Peru/Cuba (1983). USA (1987) - Seit 1992 ständig in Brunswick ME
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